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Vierbeiner aus dem Kofferraum
 
   Von Ulrike Pflüger-Scherb
 
   KASSEL. Um 18.17 Uhr ging der Anruf am frühen Dienstagabend bei der Kasseler Polizei ein. Kein alltäglicher Fall, eher ein tierischer. Ein Zeuge hatte nämlich einen außergewöhnlichen Handel auf dem Parkplatz des Rasthofs Kassel an der A7 beobachtet. Ein Pärchen verkaufte dort Welpen. Die Polizei schaltete sofort das Veterinäramt der Stadt Kassel ein.

   Zu Recht: Denn die 13 Welpen, die im Kofferraum eines Kleinwagens (Seat Marbella) nicht artgerecht von Rumänien nach Deutschland transportiert wurden, waren nicht gegen Tollwut geimpft. Für die nötigen Impfungen seien die Hunde auch noch viel zu jung, sagt Dr. Tilman Sauer, Leiter des Kasseler Veterinäramtes. In Deutschland würden Welpen frühestens im Alter von drei Monaten geimpft.

   Die Welpen, eine Mischung aus Kaukasischem Hirtenhund und Golden Retriever, wurden erst am 22. Januar geboren, einer der Hunde gar erst am 4. Februar. Das rumänische Pärchen, das die Hunde im Internet angeboten hätte, habe auch gegen das deutsche Tierschutzgesetz verstoßen. Demnach dürften Hunde, die jünger als acht Wochen sind, nicht ohne ihre Mutter sein, sagt Sauer. Da das Paar bereits wieder im Internet annonciert habe, gehe man von einem gewerblichen Handel aus.
 
   Das Pärchen hatte sich offenbar mit Abnehmern für die Vierbeiner auf dem Rasthof verabredet. Zwei Welpen seien auch schon von den neuen Besitzern abgeholt worden, wie aus einer Liste mit Namen und Adressen deutlich geworden wäre, so Sauer. Man werde sich nun mit den Veterinärämtern an den Wohnorten der Abnehmer in Verbindung setzen.
 
   Die elf übrigen Welpen seien in amtliche Verwahrung genommen worden, so Polizeisprecher Volker Pieper. Zu ihrem eigenen Schutz. Zwischenstation machten die süßen Vierbeiner sogar beim Polizeirevier Ost in Waldau, wo sie erst mal von den Beamten versorgt worden seien, so Pieper.
 
   Danach wurden die Welpen in das Tierheim Wau-Mau-Insel gebracht. Dort befinden sie sich nun in Quarantäne. Der Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt), Träger der Wau-Mau-Insel, warnt eindringlich davor, Hunde an Autobahnraststätten oder aus Kofferräumen zu kaufen. "Wir haben zahlreiche Hinweise, dass dieser illegale Hundehandel mit Tieren aus Osteuropa in der Vergangenheit drastisch zugenommen hat", sagt Petra Zipp, zweite Bundesvorsitzende des bmt. Die Tiere würden in den Herkunftsländern bereits im Alter von nur wenigen Wochen vom Muttertier und ihren Geschwistern getrennt. "Diese frühe Trennung hat negative Auswirkungen auf das Sozialverhalten und führt zu Entwicklungs- und Verhaltensstörungen der Hunde", so Zipp.
 
   Das Paar aus Rumänien durfte seine Fahrt am Dienstagabend fortsetzen - nachdem es eine Sicherheitsleistung von 500 Euro erbracht hatte, so Pieper.

   Quelle: HNA-online, 14.03.2007




Rätselraten um Welpen

Angebliche Welpen-Schmuggler protestieren gegen Vorgehen des Veterinäramts
 
   Von Claas Michaelis
 
   Kassel. So klein und so viele Probleme. Die Reise der 13 kleinen Hundewelpen, die gestern am Rasthof Kassel sichergestellt wurden, ist offenbar noch nicht zu Ende. Gestern Nachmittag meldeten sich George Cus und Heidemarie Sapora bei der HNA. Aus ihrer Obhut hatten Veterinäre und Polizei die Hunde herausgeholt – zu Unrecht, wie Cus und Sapora beklagen.
 
   Sie hätten die 13 Welpen sehr wohl entsprechend der Vorschriften transportiert. "Es ist uns nicht egal, was mit den Hunden passiert", sagen sie. Das bestätigt auch Jürgen Henneböhl aus Berlin, der eines der Jungtiere bestellt hatte. Nach Angaben von Henneböhl stammten die Welpen aus einer Hobbyzucht, die Kathrin Cus, Ehefrau von George Cus und Tochter von Heidemarie Sapora, im rumänischen Magau nahe Klausenburg betreibe.
 
   Die Familie betreibe keinen gewerblichen Hundehandel, wie es Dr. Tilmann Sauer, Leiter des Kasseler Veterinäramts, behauptete. Henneböhl habe wie alle Käufer für seinen Welpen 195 Euro bezahlt und somit nur übliche Unkosten für tierärztliche Untersuchungen und anderes beglichen. Professionelle Händler verlangten für Tiere der Rasse Ponoris, einer Mischung aus Golden Retriever und Karpatenhund, 1500 bis 2000 Euro.
 
   Dass sich Cus und Sapora nichts vorzuwerfen hätten, zeige auch, dass der Zoll die beiden an der deutschen und österreichischen Grenze anstandslos habe passieren lassen. Zudem trügen die Hunde einen Chip, wie es das Tierschutzrecht vorsehe. Vermittelt worden seien die Welpen über ein seriöses Portal im Internet.

   Quelle: HNA-online, 15.03.2007