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Die Stadt Mannheim versucht derzeit 200 beschlagnahmte Hunde, Katzen und Kleintiere aus verwahrloster Haltung an den Mann zu bringen


   Die Medien berichteten mehrfach über diesen Fall: Am 18.05.2007 haben Stadtverwaltung und Polizei auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in einer Großaktion weit mehr als 200 Hunde und Katzen, Nager und andere Kleintiere in einem Einfamilienhaus in Mannheim-Seckenheim beschlagnahmt. Die Tiere, die dort über drei Etagen unter katastrophalen Zuständen gehalten wurden, sind seitdem im Tierheim Mannheim auf der Friesenheimer Insel untergebracht. Inzwischen wurde seitens der Stadtverwaltung gegen die verantwortliche Halterin ein Tierhalteverbot erlassen und alle Tiere eingezogen. Sie sind damit in das Eigentum der Stadt Mannheim übergegangen und können an neue Halterinnen und Halter vermittelt werden.

 

   Wie die Nachrichtenagentur AHO am 28.06.07 mitteilte, sucht die Stadt nun neue Besitzer für die 79 Hunde, 31 Katzen und jede Menge unterschiedlicher Nagetiere. Unter den Hunden sollen sich Rassetiere der Rassen Australian Sheperd, Tibet-Terrier, Yorkshire-Terrier, Samoyede, Shih Tzu, Neufundländer, Pon und Malteser befinden. Unter den Katzen sollen sich Maine-Coon-Rassekatzen befinden. Die Rassehunde werden zu je 300 Euro, die Welpen dieser Rassen zu je 400 Euro und die Rassekatzen zu je 200 Euro abgegeben. Alle anderen Tiere werden zu den tierheimüblichen Preisen vermittelt.

   Das es sich hierbei tatsächlich um Rassetiere handelt, scheint aus hiesiger Sicht äußerst unwahrscheinlich. Denn wer unter derartigen Zuständen Hunde und andere Tiere hält und "züchtet" (vermehrt), dürfte dies wohl kaum unter dem Patronat eines offiziell anerkannten Zuchtverbandes tun. Unter diesen Bedingungen wird weder eine Kontrolle über die Abstammung und Eignung der Elterntiere noch eine Wurfabnahme stattgefunden haben, was für die Zucht von Rassetieren und der Ausstellung anerkannter Abstammungspapiere jedoch obligatorisch ist.

   Zwar dürfte das Kriterium der "Rassereinheit" für einen wahren Tierfreund kaum von Bedeutung sein. Dann sollte sich dieser Umstand aus hiesiger Sicht jedoch auch nicht auf den Verkaufspreis der geplagten Tiere auswirken. Selbst wenn es sich um tatsächliche Rassetiere mit anerkannten Abstammungszertifikaten handeln sollte, dürfte der von der Stadt Mannheim betriebene Aufwand für deren Beschlagnahme und Unterbringung nicht höher gewesen sein als im Fall der nicht "rassereinen" Tiere.

   Selbstverständlich sollen die geplagten Lebewesen nach Aussage der Stadt in gute Hände übergeben werden. Der Fachbereich Sicherheit und Ordnung sucht deshalb tierliebe, fürsorgliche Menschen, die ihren Kaufwunsch beim Tierheim Mannheim anmelden können. Da die Unterbringung täglich hohe Kosten verursacht, ist aus Sicht der Stadt eine baldige Vermittlung wünschenswert. Nachdem jedoch bei einem inzwischen verstorbenen Hund das Leptospirosebakterium – Verursacher einer Tierkrankheit, die übertragbar ist - festgestellt worden war, werden alle Tiere derzeit medikamentös behandelt, um die Gefahr der Ansteckung zu bannen. Die Abgabe an neue Besitzer ist deshalb frühestens ab Montag, 2. Juli 2007 möglich.

   Das Wohlergehen der Tiere soll an erster Stelle stehen. Der Fachbereich Sicherheit und Ordnung prüft deshalb vor Abschluss eines Kaufvertrages z.B. die Zuverlässigkeit des künftigen Hundehalters. Interessenten melden sich bitte beim Tierheim Mannheim auf der Friesenheimer Insel, wo Frau Schweidler und Frau Hoffart unter der Tel Nr. 0621-311151 zur Verfügung stehen. Bei kurzfristiger Abwesenheit besteht die Möglichkeit, auf Band zu sprechen, so dass ein umgehender Rückruf erfolgen kann.

   Aufgrund der vorherigen Haltungsbedingungen, die als katastrophal beschrieben werden, liegt die Vermutung nahe, dass insbesondere die Jungtiere nicht die Prägung auf die belebte und unbelebte Umwelt erfahren haben, die für eine positive Entwicklung und unproblematische Haltung erforderlich ist. So bleibt zu hoffen, dass die Stadt Mannheim bei der Veräußerung der Tiere ihr Augenmerk nicht nur auf möglichst hohe Einnahmen, die Tierliebe und Zuverlässigkeit möglicher Interessenten richtet. Sondern das man zum Wohle der Tiere auch akribisch darauf achtet, dass die potenziellen Halter über die erforderliche Sachkunde verfügen, um auch mit den Tieren zurecht zu kommen, die sich aufgrund der ungünstigen Haltungs- und Aufzuchtbedingungen eventuell problematisch entwickeln.

   Aber selbst wenn die Satdt Mannheim auch diesem Umstand hinreichend Rechnung trägt, so kann man sich angesichts der Preisgestaltung nur schwerlich des Eindrucks erwehren, dass hier ein Versuch unternommen wird, aus dem Elend vermeintlicher Zucht- und Rassetiere noch einen ansehnlichen Profit zu schlagen.

   Quelle: AHO/Hund und Halter e.V. - 30. Juni 2007