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Pilotstudie der Universität Bonn

   Arbeitslosigkeit war und ist ein zentrales gesamtgesellschaftliches Problem in Deutschland. Rund 4,4 Millionen Menschen sind derzeit ohne Stelle – etwa ein Drittel davon ist langzeitarbeitslos, also schon länger als ein Jahr ohne Job. Mit der Arbeit verlieren die Betroffenen vieles, was sie sonst im Gleichgewicht hält: ökonomische Sicherheit, eine verbindliche Tagesstruktur, soziale Anerkennung, Perspektiven. Mit der Langzeitarbeitslosigkeit verbunden ist auch eine Vielzahl von Risikofaktoren für Wohlbefinden und Gesundheit der Betroffenen, wie z.B. der Abbau des Selbstwertgefühls oder die Entstehung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen.

   Ein Heimtier kann helfen, das Lebensgefühl von Langzeitarbeitslosen zu verbessern. Dies ist das Ergebnis einer explorativen Pilotstudie an der Universität Bonn bei Prof. Dr. Reinhold Bergler, durchgeführt von Susanne Hecht.

These: Hunde steigern die Lebensqualität

   Im Rahmen ihrer Diplomarbeit untersuchte Hecht die psychologische Bedeutung eines Hundes für Langzeitarbeitlose. In zweistündigen Interviews befragte sie 32 Langzeitarbeitslose im Alter über 40 Jahren, von denen 15 einen Hund hatten und 17keinen. Dabei verfolgte sie zwei Thesen:

 - Die Häufigkeit der positiven bzw. negativen Alltagsereignisse, die verfügbaren
   Bewältigungsstrategien und damit das Ausmaß der positiven subjektiven
   Befindlichkeit bei Langzeiterwerbslosen mit Hund hängt ab von der Qualität der
   Beziehung zwischen Mensch und Hund.

 - Bei einer positiven Mensch-Hund-Beziehung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit,
   dass Langzeitarbeitslose mehr Alltagsfreuden als Alltagsärgernisse erleben,
   bessere Bewältigungsmechanismen für prototypische Risikofaktoren der
   Langzeitarbeitslosigkeit entwickeln und damit eine bessere subjektive
   Befindlichkeit aufweisen.

Das Tier fördert soziale Kontakte

   D
ie inhaltsanalytische Auswertung der Interviews ergab, dass bei Langzeitarbeitslosen mit einer intensiven Mensch-Hund-Beziehung die gravierenden prototypischen Risikofaktoren der Langzeitarbeitslosigkeit weniger ausgeprägt sind als bei Langzeitarbeitslosen ohne einen Hund. Dies betrifft zum Beispiel die soziale Situation in der Langzeitarbeitslosigkeit: Während Arbeitslose ohne Hund eine zunehmende Verarmung ihrer sozialen Beziehungen bis hin zur sozialen Isolation erleben, ist bei Langzeitarbeitslosen mit einer intensiven Beziehung zu ihrem Tier das Gegenteil der Fall. Hier wirkt der Hund als Katalysator für die aktive Neugestaltung des sozialen Umfeldes; soziale Isolation trat nicht auf.

Positive Ablenkung statt Resignation

   Eine intensive Mensch-Hund-Beziehung hat auch Einfluss auf die Strukturierung des Tagesablaufes in der Langzeitarbeitslosigkeit: Es wurde festgestellt, dass es Menschen ohne eine intensive Mensch-Hund-Beziehung im zeitlichen Ablauf der Langzeitarbeitslosigkeit immer weniger gelingt, ihre ursprüngliche Tageslaufregulierung aufrecht zu erhalten; bei einigen Probanden kam es gar zu einem völligen Strukturverlust - mit den entsprechenden psychosomatischen Folgen. Im Gegensatz dazu sind Hundebesitzer durch die Beschäftigung mit dem Tier positiv abgelenkt und können ihre gewohnte Tagesstruktur weitestgehend aufrechterhalten.

Intensivierung der Mensch-Hund-Beziehung

   Nicht zuletzt ergab die Untersuchung, dass Langzeitarbeitslosigkeit die Beziehung der Tierhalter zu ihrem Hund intensiviert. Die Probanden verbrachten mehr Zeit mit ihrem Tier: Sie machten längere Spaziergänge, hatten mehr Zeit für Spiel, Kommunikation und Erziehung. Auch die seelische Nähe zu ihrem Tier nahm zu: Teilweise nahm der Hund die erste Stelle ein, noch vor Freunden und der eigenen Familie. In der Situation der Langzeitarbeitslosigkeit wurde der Hund für seinen Besitzer oft zur zentralen Quelle von Alltagsfreuden. Zusammenfassend belegt die Studie, dass, obwohl sich mit dem Erleben von Langzeitarbeitarbeitslosigkeit die Lebensqualität der Betroffenen insgesamt verschlechtert, eine intensive Mensch-Tier-Beziehung die Gesamtsituation positiv beeinflusst.

   Quelle: Mensch & Tier, Ausgabe 03/2006

   Weitere Informationen: Prof. Dr. Reinhold Bergler,
Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!