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Von Martin Paetsch

Eine Randbetrachtung über Kampfgeist und Killermaschinen.

   Wie hießen sie noch gleich, die deutschen Tugenden? Achja: Ordnung, Disziplin und Kampfgeist. Fast hatte man sie vergessen, weil sie nämlich verschwunden sind, vor allem aus der Nationalmannschaft. Früher war das noch anders. Als wir noch Berti Vogts hatten, den "Terrier", der sich sogar beim Toilettengang an seine Gegenspieler geheftet haben soll. Oder Günter Netzer, der so schön aus den Tiefen des Raumes kam. Alles vorbei. Keine Spur mehr von Ordnung, Disziplin und Kampfgeist bei unseren Elite-Kickern. Keine Stürmer mehr, die sich durchbeißen. Keine Abwehr, die zuschnappt, wenn sich ein feinsinnig dribbelnder Portugiese nähert.

   Es steht also schlecht um die deutschen Tugenden. Aber noch ist nichts verloren. Die "Bild"-Zeitung hat sie noch, die guten alten Qualitäten. Ordnung auf den Schreibtischen. Disziplinierte Redakteure. Und Kampfgeist. Wenn sich etwa der wütende Welfenprinz mal wieder danebenbenimmt, ist sie gleich zur Stelle, kommt aus der Tiefe des publizistischen Raumes, heftet sich an ihn wie ein Terrier und beißt sich durch bis zum Hosenschlitz. Schlägt an. Schnappt zu wie ein Kampfhund, bis der letzte rüpelhafte Adlige von deutschen Straßen und türkischen Pavillons verschwunden ist.

   Womit wir beim Thema wären: Die Kampfhunde müssen natürlich auch weg. Man werde keine Ruhe geben, bis die letzte Bestie von unseren Straßen verschwunden ist, kläffte neulich noch Chefredakteur Udo Röbel. Weg mit den Killermaschinen, jaulten als Antwort die Deutschen im Chor. Und gingen gleich ans Werk: Pitbulls weg, Bullterrier weg, und wenn dir Omis Zwergpinscher komisch kommt, wandert er gleich mit ins Tierheim. Schließlich muss alles seine
Ordnung haben.

   Und weil das so ist, haben wir nun den Salat: Mischling "Gina" und Dalmatiner "Rocky", beides unbescholtene Familienhunde, sind tot, berichtete die Hamburger Ausgabe der "Bild" am Mittwoch. Vergiftet von Kampfhundehassern. Das geht zu weit, fanden selbst die Macher des Blattes. Mit Ausrufezeichen. Wuff. Also doch lieber Maulkorb. Und zwar für alle Bestien. Auch für die "Bild"-Zeitung, den Schäferhund unter den deutschen Boulevard-Beißern. Aber was wird dann aus den deutschen Tugenden? Ach, so sehr haben wir die eigentlich auch nicht
vermisst.

(Quelle: SPIEGEL o­nLINE - 06. Juli 2000 - http://www.spiegel.de/kultur/k3/0,1518,84053,00.html )