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(Oder: Wie man seine Leser für BLÖD verkauft!)

   Als er blutüberströmt in die Klink kam, wussten die Ärzte erst nicht, wo sie anfangen sollten zu nähen. Acht schwere Bisswunden zählten sie in den Armen von Ulf Frank (43). Es sind Arme, wie Berlin sie braucht.

   Der Betonbauer ist abends in Neuköln unterwegs: "Es war gegen halb neun, da kam ein kleines türkisches Mädchen in der Warthestraße auf mich zugelaufen. Es war vielleicht 10 Jahre alt und hatte große Angst. Sie sagte nur: "Hilfe, der Hund." Im nächsten Moment ist der Hund da – ein Pitbull. Ulf Frank (Vater von drei Kindern) stellt sich sofort vor das Mädchen: "Sofort sprang er an mir hoch und biss immer wieder in meine Arme. Ich werte mich und trat nach ihm."

   Das Mädchen tut das einzig Richtige – es läuft um sein Leben, entkommt so dem Killerhund. Ulf Frank kämpft weiter mit dem Pitbull, tritt trotz seiner Verletzungen immer wieder nach dem entfesselten Tier.

   Der Betonbauer weiß: wenn er zu Boden geht, ist sein Leben in Gefahr. Der Hund schnappt nach seiner Kehle, rennt dann aber plötzlich weg – gerade als die Feuerwehrsirene losheult. Die Polizei sperrt die Umgebung ab, sucht vergeblich den Hundehalter. Schließlich erschießt ein Beamter das unkontrollierbare Tier.

   Stunden später meldet sich der Hundehalter bei der Polizei. Er sagt, der Pitbull sei ihm weggelaufen. Das Tier habe einfach die hölzerne Wohnungstür durchbrochen.

   Quelle: BILD vom 26.08.2003   (Der Originalbericht - JPG - 937 KB >>)




Anmerkung:

   Im Prinzip sollte eigentlich jede Berichterstattung der BILD über das Thema "gefährliche Hunde" in Frage gestellt und auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft. Der hierfür erforderliche Zeitaufwand ist jedoch von uns nicht zu leisten und so beschränken wir uns auf sporadische Überprüfungen, über deren Ergebnisse wir zu gegebenen Anlass berichten.

   In diesem Fall stießen wir bei unseren Recherchen gleich auf zwei Artikel: Die "Berliner Morgenpost" und "DIE WELT" hatten sich ebenfalls der Sache angenommen und ihre Leser darüber informiert – dies jedoch schon einen Tag bevor die BILD sich mit der betreffenden Schlagzeile schmückte. Insbesondere dieser Umstand aber auch der direkte inhaltliche Vergleich löste unsererseits erheblich Unmut und eröffnete gleichzeitig die Frage: Sind diese Herrschaften in ihrer skrupellosen Sensationsgier an Dreistigkeit überhaupt noch zu überbieten?

   Sowohl die "Berliner Morgenpost" als auch "Die Welt" schildert den Sachverhalt völlig anders und beide lassen die Darstellung des "Retters" doch äußerst zweifelhaft erscheinen. Dennoch lassen sich die Schlagzeilenakrobaten der BILD hiervon überhaupt nicht beeindrucken – es werden hier und dort wichtige Details unterschlagen, dafür an anderer Stelle etwas hinzugedichte und fertig ist ein erneuter Aufmacher zur Fortsetzung der gnadenlosen Kampagne gegen einen bestimmten Hundetypus. Ganz offensichtlich rechnet niemand in diesem Hause damit, dass seine Leser eventuell auch die Nachrichten seriöserer Medien konsumieren. Vielleicht ist es diesen Herrschaften auch schlicht und ergreifend völlig egal?

   Wie dem auch sei: Wenn auch die BILD-Macher der Meinung sind, hier wären Arme zum Einsatz gekommen, wie Berlin sie braucht, so sind wir doch der Meinung: Weder Berlin noch irgend eine andere Stadt in Deutschland benötigt Menschen, die ohne einen vernünftigen Grund Hunde auf der Straße attackieren und hiermit unweigerlich das Risiko eingehen, ein Abwehrverhalten des Tieres zu provozieren. Aber noch weniger benötigen wir Medienvertreter, die durch gezielte Kampagnen die Gesellschaft manipulieren und zu derartigen emotionalen, unüberlegten Handlungen motivieren.

   Wenn auch den Hundehalter aufgrund mangelnder Sorgfaltspflicht eine erhebliche Mitschuld am Tod seines Tieres trifft, so würde dieser Hund, wie auch tausende andere seiner Art, heute noch friedlich leben dürfen, gäbe es die skrupellose Sensationsgier der BILD-Macher und ihre Kampagne gegen das vermeintliche Monster "Kampfhund" nicht.






Widersprüchliche Aussagen von Opfer und Zeugin

Polizist erschießt Pitbull nach Beiß-Attacke
Herrenloser Kampfhund irrt auf Neuköllner Straße herum - Widersprüchliche Aussagen von Opfer und Zeugin

   Ein Polizeibeamter hat in Neukölln einen Pitbull erschossen, der am Samstag gegen 20.40 Uhr herrenlos herumstreunte und zuvor einen 43-Jährigen Mann aus Neukölln in beide Unterarme gebissen hatte.

   Das Opfer gab an, er sei von einem Mädchen in der Warthestraße um Hilfe gebeten worden, weil sie sich von dem Hund bedroht gefühlt habe. Er habe sich daraufhin schützend vor das Kind gestellt, worauf ihn der Hund angegriffen und mehrmals in den Unterarm gebissen habe. Nachdem der Hund von dem Mann abgelassen hatte, irrte das Tier orientierungslos durch die Straßen. Der Pitbull wurde in der Schierker Straße von Polizisten mit einem gezielten Schuss getötet, nachdem Versuche, den Halter ausfindig zu machen, erfolglos geblieben waren.

   Der 43-Jährige konnte nach ambulanter Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen werden.

   Die Beamten schrieben eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den zunächst unbekannten Halter. Ein 33-Jähriger gab kurz nach ein Uhr bei der Polizei an, dass sein Pitbull aus seiner Wohnung entlaufen sei. Anhand eines Fotos konnte zweifelsfrei festgestellt werden, dass es sich um das erschossene Tier handelte.

   Die Mutter des 12-jährigen Mädchens sagte der WELT, dass ihre Tochter den Vorfall anders geschildert habe. Demnach habe das Mädchen den herrenlosen Hund auf der Straße getroffen, habe ihn gestreichelt und sei mit ihm die Warthestraße entlanggelaufen, um seinen Besitzer ausfindig zu machen. Der 43-Jährige habe den Hund angegriffen und ihn am Hals gepackt, worauf das Tier zugebissen habe. Die Polizei habe dann das Mädchen in den Wagen geholt und sich von ihm den immer noch frei herumlaufenden Hund zeigen lassen. Vor den Augen des Mädchens habe die Polizei dem Hund in den Kopf geschossen. "Meine Tochter kam weinend nach Hause und versteht nicht, warum das Tier getötet wurde. Die Polizei hätte das Tier erst mal einfangen sollen und prüfen, ob es bösartig ist."

   Quelle: DIE WELT  25.08.2003






Polizist erschießt Pitbull nach Beiß-Attacke

   Von Anemi Wick

   Ein Polizeibeamter hat in Neukölln einen Pitbull erschossen, der am Sonnabend gegen 20.40 Uhr herrenlos herumstreunte und zuvor einen 43-Jährigen Mann aus Neukölln in beide Unterarme gebissen hatte.

   Das Opfer gab an, er sei von einem Mädchen in der Warthestraße um Hilfe gebeten worden, weil sie sich von dem Hund bedroht gefühlt habe. Er habe sich daraufhin schützend vor das Kind gestellt, worauf ihn der Hund angegriffen und mehrmals in den Unterarm gebissen habe. Nachdem der Hund von dem Mann abgelassen hatte, irrte das Tier orientierungslos durch die Straßen. Der Pitbull wurde in der Schierker Straße von Polizisten mit einem gezielten Schuss getötet, nachdem Versuche, den Halter ausfindig zu machen, erfolglos geblieben waren.
Der stark blutende 43-Jährige wurde vor der Warthestraße 66, wo das Unglück passiert war, von einigen Hausbewohnern verarztet. Petra Philipp aus der dritten Etage holte den Erste-Hilfe-Kasten aus dem Auto und legte dem Mann einen Druckverband an. Das Opfer konnte nach ambulanter Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen werden.

   Die Beamten schrieben eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den zunächst unbekannten Halter. Ein 33-Jähriger gab kurz nach 1 Uhr bei der Polizei an, dass sein Pitbull aus seiner Wohnung entlaufen sei. Anhand eines Fotos konnte zweifelsfrei festgestellt werden, dass es sich um das erschossene Tier handelte.

   Die Mutter des 12-jährigen Mädchens sagte der Berliner Morgenpost, dass ihre Tochter den Vorfall anders geschildert habe. Demnach habe das Mädchen den herrenlosen Hund auf der Straße getroffen, habe ihn gestreichelt und sei mit ihm die Warthestraße entlanggelaufen, um seinen Besitzer ausfindig zu machen. Der 43-Jährige habe den Hund angegriffen und ihn am Hals gepackt, worauf das Tier zugebissen habe. Auch eine Anwohnerin, die den Vorfall vom gegenüberliegenden Haus her beobachtet hatte, erzählte, der Mann habe das Tier am Hals gegriffen, worauf dieses zugebissen hätte und danach davongelaufen sei.

   Die Polizei, so die Mutter weiter, habe das Mädchen in den Wagen geholt und sich von ihm den immer noch frei herumlaufenden Hund zeigen lassen. Vor den Augen des Mädchens haben die Polizeibeamten dem Hund in den Kopf geschossen. "Meine Tochter kam weinend nach Hause und versteht nicht, warum das Tier getötet wurde. Die Polizei hätte das Tier erst mal einfangen und prüfen sollen, ob es bösartig ist."

   Die Berliner Hundeverordnung, mit ihren Regelungen zum Halten so genannter gefährlicher Hunderassen, wird frühestens Ende 2003 gegen eine gesetzliche Regelung ausgetauscht. Man würde derzeit die "letzten Feinarbeiten" am Entwurf vornehmen, hieß es aus der Gesundheitsverwaltung.

   Quelle: Berliner Morgenpost, vom: 25.08.2003