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   von Hendrik Kranert

   Magdeburg/MZ. Draußen vor dem Landtag skandierte ein Häuflein Tierschützer und Hundefans "Dobermänner statt Hövelmänner" und forderten auf Plakaten einen "Wesenstest" für Innenminister Holger Hövelmann (SPD). Drinnen im Plenarsaal musste sich der so Gescholtene ausgerechnet an einem Bullterrier vorbeidrücken.

   Normalerweise herrscht Hundeverbot im Plenum, doch bei Evelyn Allhoff-Menke wurde eine Ausnahme gemacht. Deren scheinbarer Kampfhund ist tatsächlich ausgebildeter Behindertenhund. Fritz kümmert sich um das Wohl der im Rollstuhl sitzenden Tierärztin. "Ich habe ihn seit sieben Jahren, es gab noch nie Probleme", so die Salzwedlerin. Fritz, der sich schwanzwedelnd von allerlei Fremden kraulen ließ, war quasi die lebende Antithese zu Hövelmanns Kampfhunde-Gesetz, vor allem aber der daran angeknüpften Rasseliste.

   Oder wie es der Quedlinburger Polizist Dirk Brümmer ausdrückte: "Der Hund ist das Spiegelbild des Halters." Brümmer, Vizelandeschef der Deutschen
Polizeigewerkschaft, erzählte von einem Dobermann, den ein Kollege habe
erschießen müssen, weil er Polizisten angriff. Dobermänner aber stehen nicht auf der Rasseliste. Auch keine Schäferhunde, keine Rottweiler und keine Mischlinge. "Die aber machen die meisten Beißvorfälle aus", sagte der Vertreter des Städte- und Gemeindebundes, Thomas Wolf. So seien in Magdeburg im vergangenen Jahr 40 Angriffe von Hunden auf Menschen registriert worden, doch nur in fünf Fällen seien dabei laut Rasseliste als Kampfhunde eingestuften Tiere beteiligt gewesen.

   Sowohl Wolf als auch Brümmer machten darauf aufmerksam, dass ein Gesetz mit gerade mal drei Paragrafen nicht ausreiche. Denn es fehle sowohl bei den Gemeinden als auch bei der Polizei an speziell ausgebildetem Personal und entsprechenderAusrüstung, um Kampfhunde erkennen und auch bändigen zu können.

   Während FDP und CDU damit nochmals ihre ablehnende Haltung gegenüber einer Rasseliste begründeten, benutzten Kampfhundegegner die offenbar unzureichende Liste, um eine Verschärfung des Gesetzes zu fordern. "Der Entwurf geht nicht weit genug", sagte der Vorsitzende des Bundes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfgang Lässig. Gerade Kinder würden am häufigsten von Hunden verletzt oder gar getötet. Lässig berichtete von schwersten Kopfverletzungen und entstellten Gesichtern, von schwer heilenden Wunden und lebensbedrohlichen Infektionen. "Wenn ein Medikament schwerwiegende Nebenwirkungen hat, wird es sofort vom Markt genommen", sagte Lässig. "Warum macht man das nicht auch bei Hunden?" Er forderte eine Abwägung, was der Gesellschaft wichtiger sei - Kinder oder Hunde.

   Hövelmann bedauerte, dass man sich in der Diskussion vor allem auf die Rasseliste konzentrierte und nicht darauf, "wie man mit dem Gesetz die Sicherheitslage verbessern kann".

Mitteldeutsche Zeitung, 11.01.07