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Pressemitteilung


Kindernotfall.de                   Verein gegen die Diskriminierung
Erste Hilfe & Prävention für Kinder           von Hund & Halter e.V.
http://www.kindernotfall.de    


Von der Killerbestie und dem Kinderschreck – Hunde in Deutschland

   Mit dem Sommerloch bekommt die Diskussion um sogenannte Kampfhunde wieder neuen Aufschwung. Wieder einmal dominieren Dunkel-Ziffern und Polemik die generierte Auseinandersetzung zwischen Hundehasser und Hundehalter. Auch nach einem Jahr sind die Wogen noch nicht geglättet, immer wieder versuchen Institutionen und Vereinigungen ihr Mitspracherecht zu diesem Thema verlauten zu lassen.


   So meldet der Bundesverband der Versicherungen in großen Buchstaben 40.000 Unfälle die jährlich durch Hunde verursacht werden. Bei einem geschätzten Hundebestand von über 5.Mio Hunden in Deutschland eine verschwinden geringe Prozentzahl. Die Chance von einem Hund verletzt zu werden liegt bei diesen Angaben somit bei 0,8 Prozent, meint Oliver Nöltner, Fachreferent bei Kindernotfall.de. Zum Vergleich kommen nach dem Bundesamt für Statistik jährlich allein 63.000 Unfälle durch Sport-Gymnastik vor.

   Auch das Thema Todesfälle, das im letzten Jahr ausschlaggebend für die "Kampfhunde"-Diskussion war, relativiert im eigentlichen Sinne die Gefährlichkeit für Hunde. So sterben im Jahr 10 Menschen durch Insektenstiche, zwei durch Hundeangriffe, eine Diskussionsgrundlage vermisse ich auch hier, sagt Oliver Nöltner. Die von Kinderschutz-Vereinigungen gerne vorgelegten Dunkel-Ziffern haben keine Bestandsberechtigung, da diese Zahlen im Dunkeln eigentlich nicht zu sehen sind und nur Vermutungen wiederspiegeln. So können wir doch fast vollständig ausschließen das nach einer solchen Hypersensibilisierung gegenüber Hunden, Übergriffe nicht gemeldet werden. Selbst freudiges Wedeln mit dem Schwanz wurde manchen Hunden schon zum Verhängnis.

   Die absoluten Verlierer sind die sogenannten "Kampfhunderassen". Schon die Bezeichnung ist irreführend und wissenschaftlich ebenso umstritten, wie die derzeitigen Landesverordnungen, das Bundesgesetz und angeblich daraus resultierende Erfolge. Nicht nur das alle existierenden Statistiken und weitere Erkenntnisse aus der Praxis die politisch Verantwortlichen und ihre rassespezifischen Verordnungen und Gesetze Lügen strafen. Den besten Beweis für ihre Entlastung erbrachten die Tiere selbst. Mit einer bundesweit durchschnittlichen Erfolgsquote von 95 Prozent, bei den inzwischen in fast allen Bundesländern vorgeschriebenen Wesensüberprüfungen, haben diese Rassen bewiesen, wie sehr man von ihrer sozialen Verhaltensweise gegenüber Menschen überzeugt sein kann, so Thomas Henkenjohann vom Verein gegen die Diskriminierung von Hund und Halter e.V.

   Glauben will das leider trotzdem niemand. Denn schon über etliche Jahre wird das Thema "gefährliche Hunde" tendenziös aufbereitet und von der Boulevardjournaille auflagensteigernd, sowie von Politikern zu populistischen Zwecken eingesetzt. Ohne Rücksicht auf Verluste wurde hiermit ein Negativbild vom Hund erzeugt, das ihm als ältesten Begleiter und treuesten Gefährten des Menschen in keinster Weise gerecht wird. Der juristische Widerstand gegen die unhaltbaren und tierschutzrelevanten Rasselisten sowie eine sachlich fundierte Aufklärung, sind nur zwei Möglichkeiten die der Verein gemeinsam mit Tier- und Hundefreunden gehen möchte, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken.


   Wie realitätsfern die Diskussion mit der Zeit wird, sieht man an Reaktion der zuständigen Politiker. Kaum eine Verordnung ist so umstritten wie die 16 verschiedenen der einzelnen Bundesländer. Keinen wundert es, dass in 15 Ländern Verfahren an Verwaltungsgerichten anhängig sind, doch für unsere Politiker ein voller Erfolg. So winkt der hessische Innenminister Bouffier, bei der nicht unbegründeten Forderung nach einem Hundeführerschein für alle Hundehalter, polemisch ab und begründet seine Abneigung u.a. mit einem angeblich zu hohen Verwaltungsaufwand. Gleichzeitig bringt seine jetzige Rassenliste eine Erfolgsquote von 4,5 Prozent, das heißt über 95% der "Kampfhunde" sind normal erzogen und nicht aggressiv.

   Das Ganze bei einem Verwaltungsaufwand, der in die Millionenhöhe geht und vom hessischen Gerichtshof schon in mehreren Teilen zu Gunsten der Hundehalter gekippt wurde. Entweder die Theorie der gefährlichen "Kampfhunde" stimmt angesichts dieser Zahlen nicht, oder die Verordnungen verfehlen ihr Ziel.


   Die Menschen in Deutschland sollten sich schnellstens darauf besinnen, dass Hunde nicht nur eine – verschwindend geringe - Gefahr darstellen, sondern nicht selten für viele Menschen der einzige Sozialpartner sind. Gerade die Entwicklung von Kindern kann durch den "Partner Hund" sehr positiv beeinflusst werden. In einer Studie des Psychologe Prof. Dr. Reinhold Bergler, gaben 95 Prozent aller Mütter mit Heimtieren und 53 Prozent ohne Heimtiere an, dass Tiere einen günstigen Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder haben. Ebenso selbstverständlich wie wir unsere Kinder auf den Umgang mit Altersgenossen und Erwachsenen, die Schule und den Straßenverkehr vorbereiten oder ihnen dass Schwimmen beibringen, so sollten wir ihnen auch das Miteinander mit Tieren – in diesem Fall Hunde - vermitteln. Dann werden sich auch die verhältnismäßig niedrigen Unfallzahlen mit Hunden noch weiter verringern, die immerhin zu 70 Prozent in den eigenen vier Wänden stattfinden, so Fachreferent Oliver Nöltner. Doch als erstes müssen wir selbst das Thema wieder etwas relativieren und lernen, dass Hunde nun mal keine Killerbestien sind – statistisch bewiesen - alles andere wäre völlig unzutreffend.