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   Stellungnahmen und andere Publikationen von Wissenschaftlern und praktizierenden Tierärzten zum Thema "Qualzucht".

   Wir wünschen eine interessante Unterhaltung beim Studium nachfolgender Publikationen.

   Ihr Team von Hund und Halter e.V.

 

 

Prof. Dr. Hansjoachim Hackbarth
Tierschutzzentrum - Tierärztliche Hochschule Hannover

...Stellt sich somit die Frage, worauf sich der Gesetzgeber (Bund/Länder) bei der Aufstellung derartiger Rasselisten stützt. Den Rasselisten liegt ein Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes, vom 2.6.1999 angefertigt im Auftrag des damaligen Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (2000) zugrunde. Dort ist unter Kapitel 2.1.1.2.6 ausgeführt:" Übersteigertes Angriffs- und Kampfverhalten, das leicht auslösbar und biologisch weder bezüglich Zweck noch Ziel sinnvoll ist....Kann grundsätzlich in vielen Rassen oder Zuchtlinien auftreten, zeigt sich jedoch besonders ausgeprägt in bestimmten Zuchtlinien der Bullterrier, American Staffordshire Terrier und Pit Bull Terrier." Als wissenschaftliche Begründung wird Feddersen-Petersen (1996) zitiert; in der Literaturliste heisst es dann Feddersen-Petersen (1996) pers. Mitteilung. Die dieser angeblichen persönlichen Mitteilung zugrunde liegenden Orginalarbeiten George (1995) und Redlich (1998) werden nicht angeführt. So schreibt George (1995) über die Bullterrier: "Hyperaggressivität in Form von Beschädigungsbeißen oder Gruppenangriffen, wie für eine österreichische Bullterrierzuchtlinie beschrieben (Schleger 1983), wurden bis zum 50. Lebenstag bei den untersuchten Bullterrierwelpen jedoch nicht beobachtet."

Dr. Dorit Feddersen-Petersen
ETHOLOGIN
Fachtierärztin für Verhaltenskunde
Zusatzbezeichnung Tierschutzkunde
Institut für Haustierkunde
CHRISTIAN-ALBRECHTS-UNIVERSITÄT zu Kiel

   Die "Herausnahme" der benannten Rassen oder bestimmter Zuchtlinien ist willkürlich und somit wenig hilfreich für den Tierschutz und sinnlos für die Gefahrenabwehr. Es geht doch um die Benennung bestimmter Kriterien (inadäquates Aggressionsverhalten), das auf Hundepopulationen, die sie zeigen, anzuwenden ist. Eine Extrapolation auf Rassen ist nicht gerechtfertigt. (...)

   Als ich las, daß Herr Prof. Reetz neben einem alten Zitat von SCHENKEL über Wölfe und einer amerikanischen Arbeit, die allein Hypothesen aufzählte (völlig irrelevante Literatur für den angesprochenen Sachverhalt), meinen Namen mit einer mündlichen Mitteilung versehen hatte, die ja jeder Spekulation Tür und Tor öffnet, schrieb ich Herrn Dr. Baumgärtner und bat um Aufnahme von Literatur von mir bzw. aus meiner Arbeitsgruppe.(...) Herr Dr. Baumgärtner wollte Herrn Reetz informieren, dennoch blieb es bei der "mdl. Mitteilung", die eine differenzierte Auseinandersetzung mit unseren Arbeiten verunmöglicht. Herr Dr. Reetz wollte Rassen mit Defekten aufnehmen, ähnlich wie der von mir vorgeschlagene Cocker Spaniel, die konnte ich ihm jedoch nicht liefern. Die Kreuzungen mit dem hochgradig gestörtem Verhalten interessierten ihn nicht. Der Tatbestand des Leidens ist allerdings gerade für mich hier erfüllt, wo Hunde für den Hundekampf "zerstört" werden. Aber es waren keine Rassen.(...)

   Herr Dr. Reetz ist Versuchstierkundler, er kommt aus der Tierzucht, hat sich vorzugsweise mit dem Merle-Faktor befaßt. Heretabilitätsuntersuchungen an Rassen wurden bei uns nie betrieben, sind bezüglich des Aggressionsverhaltens auch wenig aussichtsreich, da die Umwelt zu sehr an der Entwicklung dieses Bereichs des hundlichen Sozialverhaltens beteiligt ist. Aggression ist eben kein hundliches Merkmal - und Defektrassen bezüglich dieses "Merkmals" kenne ich nicht!

(Anm.: Die Stellungnahme liegt uns in vollständiger Fassung  vor.)

A. Univ. Prof. Dr. Irene Stur
Veterinärmedizinische Universität Wien

13.06.2001

   In Hinblick auf die Konsequenzen für Hunde und Hundebesitzer, die sich aus der Interpretation des genannten Kapitels des Gutachtens durch Gesetzgeber ergeben, stellen die in dem genannten Kapitel getätigten Aussagen keine wissenschaftlich abgesicherte Grundlage für die Annahme der besonderen Gefährlichkeit bestimmter Hunderassen dar.   (Zum PDF-Dokument - 23 Kb >>)

   in ihrer Funktion als Vorsitzende des "Engeren Wissenschaftlichen Beirates des Verbandes für das Deutsche Hundewesen"

Januar 2000

   Die zitierte Literatur ist meist älteren Datums. Da neueste Untersuchungsergebnisse fehlen, sind Beurteilungsgrundlagen unvollständig, zum Teil sogar falsch und werden dem Anliegen somit nicht gerecht.   (Zum PDF-Dokument - 666 Kb >>)